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T r a v e l s  -  R e i s e n




J a k a r t a  -  B a n d u n g



BIMA Express Surabaja - Jakarta, CC201.13, Jakarta, August 1980
(Emil Konrad)
Am anderen Ende der Welt, in Indonesien, kommt der Reisende heutzutage am Flughafen Jakarta an. Vergangen ist die Zeit, da er in Tanjung Priok vom Schiff auf die Bahn umstieg und dann im Hotel des Indes logierte. Batavia heißt Jakarta, das dortige Hotel des Indes ist verschwunden und die "Dutch Women" in den Hotelbetten der Gaeste gibt es ebenso wenig mehr wie "Nederlandsch Indie". Jene Dutch Woman, zu deutsch "hollaendische Frau", war uebrigens nichts anderes als eine große Schlummerrolle, so versichern erfahrene Kolonialreisende.

Im Bahnhof Jakarta ist der Bima Ekspres aus Surabaya hinter einer Diesellok, Nummer BB201-08, von General Motors eingelaufen. In den großen Fenstern des "Blauen Nachtexpress", wie sein Name, eine Abkuerzung, uebersetzt werden koennte, prangen Blumenarrangements und an den Tueren stehen niedliche Stewardessen in Himmelblau mit weißen Handschuhen und schwarzem Haar.

Leider sind Touristen vom Bima Ekspres damals ausgeschlossen, denn ohne Vorausbestellung gibt es in dem ausgebuchten Zug keinen Platz und die befragten Reisebueros in Deutschland konnten oder wollten keine internationalen Buchungen machen. Auch die anderen Zuege nach Jogyakarta und Surabaya sind ausverkauft und nicht einmal der freundliche Fahrdienstleiter kann daran etwas aendern. Die geplante Reise zum Borobudur-Tempel muss deshalb ausfallen, doch dem hilfsbereiten Beamten gelingt es wenigstens, ein Billet fuer den vollbesetzten Parahyangan Ekspres nach Bandung zu ergattern.

Am fruehen Nachmittag jenes Augusttages 1976 steht der Parahyangan am Bahnsteig mit der dieselhydraulischen BB301-27 und Wagen aus Ost- und Westdeutschland. Aus anderen Zeiten stammt die Elektrolokomotive Nummer 203 auf dem gegenueber liegendem Gleis, in einem verwaschenen Hellgrau mit blauem Streifen. Zu den Toenen eines Glockenspiels aus dem Bahnhofslautsprecher faehrt der Parahyangan aus Jakarta Kota ab. Endlos dehnen sich die Außenbezirke der Multimillionenstadt - Erdstraßen, kleine Haeuschen, verrostete Straßenkreuzerwracks, Essenskarren, Bretterverschlaege und Elendsbehausungen. In manchen Vorortbahnhoefen sind damals die Bahnsteige bedeckt von Menschen, die dort leben, kochen, schlafen... Als der Zug das Betriebswerk Jatinegara passiert, stehen draußen in langen Reihen schwarze Dampflokomotiven kalt abgestellt: moderne D52, eine 1D1 aus dem Jahr 1951 von Krupp, Tenderlok der Reihe D14 und die C28, die beruehmte Schnellzug-Tendermaschine. Nur noch zwei Lokomotiven unter Dampf kommen entgegen. Als Erinnerung an fruehere Zeiten ist in Krawang mit hohem Schlot ein Oldtimer der Klasse B51 zu sehen - eine preußische 2B aus der Zeit nach 1900.



Cibatu - Cikadjang, Mallet CC5003, 1978 (Guenter Haslbeck)

Unter dem Laermen der Schienenriffeln faehrt der Zug nun ueber offenes Land, eine gruene Ebene, deren Felder unter Wasser stehen, vorueber an Palmen, an grauen Bueffeln und an roten Ziegeldaechern. Rechts braut ein Tropengewitter. In Cikampek ist die zweigleisige Strecke zu Ende. Ein Schienenstrang zweigt nach links ab und auf diesem verkehrt der Bima Ekspres nach Surabaya. Der Parahyangan Ekspres aber biegt nach rechts. Die Linie beginnt zu steigen, die Diesellok wird lauter und die Geschwindigkeit sinkt auf 40 oder 50 Stundenkilometer ab. Durch dichtes Gruen und enge Kurven, ueber Einschnitte hinweg mit Ausblick auf steile, mit Wald ueberwucherte Bergspitzen, windet sich das Gleis zwischen Laubbaeumen, Palmen und spiegelnden Reisterrassen ins Gebirge hinauf.

Es beginnt zu regnen. Am Schuppen von Purwakarta steht, ausgemustert, eine alte Mallett-Maschine. Von den anderen Malletts, den C28 und den uebrigen Tenderlok, welche noch Anfang der siebziger Jahre hier Dienst taten, ist nichts mehr zu sehen. Die Dampftraktion soll von dieser Strecke schon ungefaehr Mitte der sechziger Jahre verschwunden sein. ueber rote Erdschluchten, ueber spruehende Wasserfaelle und ueber filigrane Stahlviadukte fuehrt die Linie weiter empor. An einigen Stellen winken halbnackte braune Kinder. Vom Speisewagen aus servieren Stewardessen appetitlich nach Gewuerzen duftende Speisen. Die Menschen plaudern, sie sind freundlich und hilfsbereit. Als die Daemmerung anbricht, gehen die Kellner durch den Zug zum Kassieren. Kurz darauf laeuft der Parahyangan Ekspres in die Bahnhofshalle von Bandung ein.

Am anderen Tag scheint die Sonne auf die Berge, welche die siebenhundert Meter hoch gelegene Stadt umgeben. Unter den Gipfeln haengen Wolkenballen. Die Luft ist klar und nach der Hitze von Jakarta erscheint der Vormittag frisch wie ein Morgen in Tirol. Es ist Sonntag. Die Leute gehen in die "Kathedrale", eine weiße Kirche mit spitzem Turm wie in einer europaeischen Kleinstadt. ueber die Straßen fahren Rikschas und im Stadtpark, im Schatten der Regenbaeume, haben die Barbiere ihre Spiegel und Stuehle im Freien aufgebaut. Hier, im vornehmen Teil von Bandung, laesst sich das brodelnde Jakarta vergessen.

Irish Mail California Zephyr The Canadian Jakarta - Bandung "Spirit" Melbourne - Sydney New Zealand Chief


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