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" S p i r i t "  M e l b o u r n e  -  S y d n e y



Melbourne, Flinders Street Station (WS)



"Heavy Harry" (WS)

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R no.704 (WS)

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Der kleine Bahnhof von Port Melbourne, wo einst die Ozeanreisenden ankamen, ist noch da. Von dort ging die erste Eisenbahn Australiens nach Melbourne und spaeter verkehrten hier die elektrischen "boattrains", Triebzuege aus blauen Abteilwagen, wie sich der begleitende australische Freund und Eisenbahnhistoriker Bill Pearce erinnert... Kein Dampfer legt heute mehr dort an. Unter dem grauen Himmel, im Wind aus der Antarktis, liegt an dem einzigen Pier nur die Faehre "Tasmania", die ehemalige "Nils Holgersson", welche am anderen Morgen Davenport auf der Insel Tasmanien erreichen wird.

Vom Bahnhof Port Melbourne aus rattert, immer noch der ersten Bahntrasse folgend, eine altmodische Straßenbahn an Einfamilienhaeusern und Laeutwerken der Straßenkreuzungen vorueber auf die Wolkenkratzer von Melbourne zu. Als der Wagen den Yarra River ueberquert, ist die "Polly Woodside" zu sehen, ein Kap Hoorn-Segler, Erinnerung an die Zeit, als die Segelschiffe bis in die Stadt gefahren sind. Auch ein Teil der alten Eisenbahnbruecke ist noch da, ueber welche die "boattrains" in den turmbewehrten Bahnhof Flinders Street eingelaufen sind.

Über die Breitspurgleise nordwaerts nach Albury zum Umsteigen nach Sydney donnerte einst der Stromlinienzug Spirit of Progress oder einfach der "Spirit", und einige Male mit ihm der "Heavy Harry", die groeßte klassische Schnellzuglok außerhalb Nordamerikas. Über 92 Fuß oder 28 Meter lang liegt er heute auf den Schienen des Museums North Williamstown, eine schwarze Masse, Tender, Fuehrerstand, Umlauf, Windleitbleche und Belpaire-Feuerbuechse fast eine einzige Flaeche, auf dem ueberdimensionalen Kessel zwei separate Schornsteine, eine der schoensten Riesenlok der Welt, ein perfektes Ungeheuer.

An einem trueben Morgen, es ist Mittwoch, der 12. Februar 1997, im Bahnhof Melbourne Spencer Street: Neben den Vorortzuegen, alle auf Breitspur, kommt auf dem einzigen Normalspurgleis von Westen mit silbern/dunkelroten Wagen hinter einer langen hellgruen/gelben Diesellok ein richtiger Expresszug herein. Es ist der beruehmte Overland, der Traditionszug aus Adelaide. Jahrzehntelang fuhr er auf Breitspur mit bis zu 19 Wagen, nunmehr benuetzt er ein neben der Vorortstrecke nach Williamstown verlegtes Normalspurgleis. Seine Lok ist eine CLP13S von Morrison Knudsen, abgeleitet von der CLP9 im alten General Motors-Stil. Die Wagen - nur mehr sieben - sind Schlaf-, Club- und Liegesitzwagen, innen mit Kunststoff und Chrom im Look der fuenfziger Jahre, außen schon etwas abgeblaettert, dazu ein Autotransporter - eben ein echter Grand Express...

Auf Gleis 1, dem anderen Dreischienengleis, steht zu jener Morgenstunde um acht Uhr in glitzerndem Silber mit Blau als Anschluss der viel neuere Olympic Spirit mit sieben Wagen zwischen zwei Dieseltriebkoepfen, ein XPT von Comeng, durch Countrylink betrieben. Der Service-Chef kontrolliert an einem Pult auf dem Bahnsteig die Reservierungen, das Gepaeck kann eingecheckt werden, selbstoeffnende Tueren geben den Weg zu den Flugzeugsesseln frei. Zu einem Klingelsignal geht der "Spirit" auf seine 961 km lange Reise nach Sydney - als moderner Nachfolger des Spirit of Progress.

Inmitten der zahlreichen Breitspurgleise sucht er sich seinen normalspurigen Weg. Spaetsommerlich gelbe Wiesen, Pinien und immer wieder Eukalyptus, Grashuegelland soweit das Auge reicht - so hat man sich den fuenften Kontinent immer vorgestellt. Neben zwei Breitspurgleisen, an rot-weißen Formsignalen vorbei, geht es im Rhythmus der Schienenstoeße nordwaerts.

Gegen Mittag wird der Murray River ueberquert, die Grenze zwischen Victoria und New South Wales. Albury: hier mussten frueher alle Reisenden umsteigen. Auf geschweißtem Gleis faehrt der Zug nun schneller. Vor Junee stehen linkerhand moderne silberne Wagen, der exklusive Schlafwagenexpress Southern Aurora, abgestellt. Wird er nie wieder fahren? "No", gibt der Schaffner trocken zur Antwort.

Der Olympic Spirit aus Sydney kommt entgegen. In der Nacht wird er als Southern Cross nach Sydney zurueckfahren und damit das unproduktive Stillager der reinen Tages- oder Nachtzuege vermeiden. In der Tat ist der letzte Wagen unseres XPT ein Sleeping Car mit Zweibettcoupees, zum Gang hin verglast, zwischen je zweien eine WC- und Duschkabine, ueber eine Nische im Flur zugaenglich.

Die Gleise trennen sich, wir tauchen in einem Einschnitt steil bergab, das andere Gleis ueberquert uns, um links unten wieder aufzutauchen, dann biegt es rechts ab, um uns alsbald zu kreuzen. Es ist die Schleife bei Cootamundra.

In Goulburn muendet die Strecke aus Canberra, dem Regierungssitz, ein. "Xplorer"-Dieseltriebwagen verkehren hier. Bei Moss Vale veraendert sich die Landschaft: Felseinschnitte, Tunnels, Laubwald begleiten nun den Spirit. Bald tauchen zweistoeckige Vororttriebzuege unter Oberleitungen auf. Das Gleisgewirr verdichtet sich, Nieselregen wie in England geht ueber den Bahnsteigdaechern nieder. Um 19 Uhr 15, puenktlich auf die Minute, faehrt der Olympic Spirit in Sydney Central Station ein.

Am anderen Tag soll hier der Indian Pacific nach dem 4345 km entfernten Perth abfahren. Die Wagenstandstafel zeigt hinter einem gelb/gruenen Doppelgespann der Australian National Railways nicht weniger als 15 Wagen. Aber die Silberschlange bleibt an jenem Tag aus. Ein Zettel verkuendet die traurige Nachricht: Die Strecke ist jenseits von Broken Hill durch Überflutung weggeschwemmt worden. Ob er ueber Melbourne haette umgeleitet werden koennen, ist nicht bekannt.

Am Spaetnachmittag steht am gleichen Bahnsteig ein XPT zur Abfahrt nach Brisbane bereit, wo er Anschluss an die kapspurigen Expresszuege der Queensland Railways nach dem tropischen Norden haben wird - ein moderner Streamliner unter dem ehrwuerdigen Uhrturm vor der Silhouette von Sydney, das mit seinen Wolkenkratzern und den Betonsegeln des Opernhauses, der gigantischen Harbour Bridge und davor immer noch diesem oder jenem Ozeanriesen, einem P&O Liner oder einem Hollaender, die Weltmetropole der suedlichen Hemisphaere ist.


Brisbane XPT, Sydney 1997 (WS)

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XPT "Olympic Spirit", 1997 (WS)



Sydney (WS)


Irish Mail California Zephyr The Canadian Jakarta - Bandung "Spirit" Melbourne - Sydney New Zealand Chief

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