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A r l b e r g - O r i e n t - E x p r e s s



Venice Simplon-Orient-Express Venezia - Boulogne (via Kitzbuehel!), Hopfgarten, July 1990 (WS)

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Erste Begegnung - das war um 1949, ein einfacher Magirus-Bus hatte den Elfjaehrigen nach Innsbruck gebracht und bei der Auffahrt zur Hungerburg, um die Mittagszeit, als der Express kommen sollte, glitt unten im Tal eine dunkle Wagenschlange ueber die Innbruecke, dazwischen ein Waggon oben cremefarben, das musste laut Maerklin-Katalog ein Pullman, ein echter Salonwagen sein! Gegen Abend, als der Bus vor dem Hauptbahnhof schon abfahren wollte, kam der Gegenzug herein, ein oder zwei 1020 (damals E94; "Krokodil" sagte noch niemand), immer wieder dunkelblaue Wagons-Lits mit dem Grands Express-Schriftband und dazwischen uralte (das waren ex-kaiserlich-koenigliche), moderne Schuerzenwagen mit unbekannten Lettern, CSD oder noch seltener, ein nie gesehener mit fast ovalen Fenstern (spaeter als franzoesischer Nordbahn-Typ "Art Deco" identifiziert), es schienen schon 16 Wagen zu sein und die Parade ging weiter - der Bus fuhr ab.

Spaeter sollten einige Reisen mit dem Arlberg-Express, wie dieser beruehmteste Zug Österreichs im Volksmund immer hieß, von Innsbruck ostwaerts fuehren, sein blauer Wagons-Lits-Speisewagen blieb in Erinnerung (ein Student in Innsbruck sagte, dass er eigens wegen des guten Menues damit auf Reisen ginge) und der alte Ober, der unpassende Bauernburschen hinauswies und der wie Hans Moser aussah (jemand meinte, vielleicht war er's). Aber eine Fahrt von Paris oder Calais zur Dampflokzeit, das hatte damals nicht geklappt und ploetzlich gab es den Zug nicht mehr, es war zu spaet... Der englische Freund George Behrend war schon vor dem Krieg damit gefahren und danach wieder und er machte Mut, seine Schilderung einer Reise mit dem Arlberg-Orient-Express im Jahr 1956 aus "Grand European Expresses" gekuerzt zu uebersetzen:


Fleche d'Or, Pacific 231G2, Calais (coll. Heribert Schroepfer)


"In Calais, hinter der Zollhalle, stand der Zug CB am letzten Bahnsteig. Nichts von einer Lokomotive war zu sehen, aber Dampf fuer die Wagenheizung kam ueber eine undichte Leitung, die den Zugschluss mit der Bahnhofsheizung verband. Eine neue Mauer nahm jede Sicht auf den Fleche d'Or, aber am Ende des Bahnsteigs konnte man seine Maschine sehen, die 231E29 aus La Chapelle, Paris. Als sie nach der Hauptstadt abfuhr, kam eine aeltere Pacific, 231C79, auf dem anderen Gleis an den Zug CB.

Bald startete er, nur um im Bahnhof Calais-Ville anzuhalten... Nach Passieren des Lokschuppens Calais bog der Zug an der Kreuzung mit der Pariser Strecke nach links ab auf der Route, die er seit 1949 nahm. Der Speisewagen von Calais nach Audun-le-Roman musste von Paris aus versorgt werden. Er stellte das Mittagessen auf dem Weg nach Calais bevor er nach Audun fuhr, um mit dem Gegenzug BC am naechsten Morgen zurueck zu fahren. Der englischen Kundschaft zuliebe war das Dinner in quasi-englischem Stil, dennoch wohlschmeckend in einer delikaten Art, die nur franzoesisch sein konnte: Gemuesesuppe - und deren Gemuese war wirklich frisch - danach Roastbeef mit Worcestersauce und Bratkartoffeln mit jungen Buttererbsen, runtergespuelt mit Kronenbourg-Bier.Das Abendessen endete mit Kaese und Obst. Kaffe und Likoere rundeten das Dinner ab - Benedictine oder Chartreuse zur Verdauung.

In Lille war es bereits dunkel. Die Pacific aus Calais wurde durch die 141R693 vom Betriebswerk La Delivrance (Lille) abgeloest. Sie sind in Amerika nach franzoesischen Vorgaben gebaut worden, diejenigen auf der Nordbahn fuer Kohlefeuerung. Valenciennes wurde in einer halben Stunde erreicht und aus der trueben Dunkelheit heraus kam die BB13007, welche die 141R ersetzte - neu von ihrem Signalton bis zu ihren zwei Stromabnehmern, welche ueber den Zentralfuehrerstand hinausragten. Es war nun dreiviertel elf und da keine anderen Reisenden in der Schlafkabine waren, konnte man Erster Klasse-Komfort genießen. Statt des ueblichen ZT war es ein Wagen ein YT-Typs.

Der Zug CB endete am franzoesischen Bahnsteig in Basel, wo eine leuchtendrote elektrische Dreikuppler-Rangierlok den Calaiser Schlafwagen fuer den Arlberg-Orient-Express abzog, bevor die Nummer der 241A zu lesen war, die den Zug von Metz hergebracht hat. Die schweizerische Rangierlok 16630 befoerderte den Schlafwagen aus Calais dann an den Bahnsteig 1, der sich von der franzoesischen Haelfte des Bahnhofs in die schweizerische erstreckt, abgetrennt durch eine Barriere. Da sich der Schlafwagen nun am aeußersten Ende des Arlberg-Orient-Express befand, war es nicht moeglich, die elektrische Re4/4 zu sehen, welche den Zug nach Sargans und Chur ziehen sollte. Eine aus der Meute der Verschublokomotiven, die den Arlberg-Orient-Express in Basel rangierte, hat einen Wagons-Lits-Speisewagen beigestellt mit "Basel - Wien" auf dem Laufwegschild. Wie immer laeuteten die Glockensignale und der Zug setzte sich sanft und ruhig in Bewegung, vorueber an den Lokomotivdepots, eines fuer Dampf und eines fuer Ellok in jenen Tagen.

Der Arlberg-Orient-Express eilte die vielbefahrene Hauptstrecke entlang ueber Brugg und Baden zum ersten Halt in Zuerich-Enge. Der Zug vermeidet den Hauptbahnhof, weil dieser ein Kopfbahnhof ist. Viele Leute, die nach Zuerich geflogen waren, stiegen in Enge zu, da der Express zahlreiche Wagen nach Chur im Engadin mitfuehrte und Zuerich dafuer der naechstgelegene Flughafen ist. Sie verlangten ein Fruehstueck waehrend der knappen Stunde Fahrzeit bis Sargans, wo der Teil nach Chur vom Hauptzug getrennt wird. Aber glueckhafte Passagiere hatten das Restaurant schon vor Zuerich besetzt und konnten so in aller Ruhe die Landschaft betrachten, waehrend der Chef de brigade mit dem Gedraenge kaempfte.

Die Strecke geht erst am Zuerichsee entlang und bald hinter Pfaeffikon umrundet sie den Wannsee. Hier wurde sie nun zweigleisig ausgebaut mittels Untertunnelung eines Berges, der steil in den See abfaellt. Als naechstes taucht Sargans auf. Es hat ein Schloss und eine Kirche, romantisch auf kleinen Huegeln ueber der Stadt gelegen. Hier muss der Zug wenden, um nach Österreich zu gelangen. Er startete zu seiner kurzen Fahrt nach Buchs hinter einer Ae3/6 Nr. 10451 vom Betriebswerk Winterthur. In Buchs uebergeben die Schweizerischen Bundesbahnen SBB den Zug an die Österreichischen Bundesbahnen ÖBB. Aber außer den feldgrauen Uniformen der schweizerischen Zollbeamten, die eine blanke Metallplakette mit der Nationalflagge auf ihren Muetzen tragen, bietet der Bahnhof ein Bild wie jeder andere.

Nach einer Viertelstunde Pause kam ein langer Gueterzug auf der eingleisigen Strecke langsam durch die Kurve in den Bahnhof herein. Seine oesterreichische 1020 wurde abgekuppelt und fuhr ebenso langsam an dem Gueterzug vorbei, um den Arlberg-Orient-Express zu uebernehmen. Der Zug war bei Ankunft in Buchs verspaetet und jetzt hatte er noch mehr Verspaetung. Die Österreicher mit ihren legeren Schildmuetzen verbreiteten sofort eine Atmosphaere der Entspanntheit, ihre wohlbekannte Gemuetlichkeit. Waehrend der Fahrt durch Liechtenstein - wirtschaftlich der Schweiz zugeordnet, aber eisenbahnmaeßig Österreich - kamen die Österreicher zum Stempeln der Paesse und zum Geldwechsel vorbei. Nach ungefaehr zehn Minuten passierte der Zug die oesterreichische Grenze und erreichte im Bahnhof Feldkirch die Hauptstrecke aus dem nahen Bregenz, die sich 450 Meilen weit bis Wien windet.

Nachdem viele einheimische Reisende zugestiegen waren, fuhr der Zug suedostwaerts das Tal aufwaerts bis Bludenz, durch eine der spektakulaersten Szenerien der ganzen Reise, besonders attraktiv unter der blassen Fruehlingssonne. Bludenz ist die Hauptstadt von Vorarlberg an der Westseite des Arlberg-Passes und hier wurde eine weitere 1020 angekuppelt als Vorspann. Der Wagen Calais - Wien war immer noch am Zugschluss und so konnte man die Lokomotiven sehen wie sie mit allen vier Pantographen Strom abnahmen, wie das vor dem Krieg auch in der Schweiz ueblich war.

Die Temperatur fiel, als der Zug ins Gebirge aufwaerts fuhr. Bald hatte er die Schneegrenze ueberquert, der Schnee fuellte die Gleise. Oben hielt der Zug in Langen an. Viele der Skifahrer mit ihrem Drum und Dran stiegen aus auf den gefrorenen Bahnsteig. Da waren keine Gepaeckkarren; die Ski und Koffer wurden per Schlitten abtransportiert.

Hinter Langen tauchte der Express in den neun Meilen Langen Arlberg-Tunnel ein, aus dem er auf der Tiroler Seite in St. Anton wieder austrat. An diesem Fruehlingsmorgen zeigte sich Tirol nicht von seiner ueblichen freundlichen Seite. Es war kalt und grau und kurz nach Abfahrt in das Gefaelle hinein geriet der Zug in einen heulenden Schneesturm. Und dabei hatte man tags zuvor in Calais schon ohne Mantel aussteigen koennen.

Bei der Fahrt hinunter vom Arlberg schien ueberall Schnee zu sein, außer im Schlafwagen. Der Schnee erzeugte ein Gefuehl der Ruhe, der Abgeschiedenheit, ja der Beklemmung. Am Fuß des Passes hielt der Zug in Landeck an. Dieses wichtige Zentrum mit Berguebergaengen ins Engadin, nach Suedtirol und nach Bayern, ist der Platz wo die Bahn auf den Inn trifft. Die Wolken hingen tief herab und huellten die Berge ein, welche die Fahrt so reizvoll machen koennen. Die mittelalterlichen Burgen auf ihren Kuppen konnten zwischen Schnee und Baeumen undeutlich wahrgenommen werden. Der Zug kurvte auf staehlernen Gittertraegerbruecken ueber gurgelnde Eisbaeche auf dem Weg in die heitere Hauptstadt von Tirol.

Am Hauptbahnhof Innsbruck war alles geschaeftig. Inzwischen wurde die 1020 durch eine der neuen CoCo-Ellok der Reihe 1010 ersetzt, die den Zug bis Salzburg bringt. Der Bahnhof war voll von deutschen Touropa-Wagen, den Sonderzuegen der Skifahrer. Hinter Innsbruck laeutete im Gang die Glocke fuer das Mittagessen und in den gleichen Rahmen wie zuvor steckten nun die Menuekarten der oesterreichischen Division mit dem Firmennamen: Internationale Schlafwagengesellschaft oder ISG, wie Wagons-Lits in Deutschland haeufig bezeichnet wird: Minestrone, danach Kalbsschnitzel und Salat - ein echtes Wienerschnitzel, dann Kaese und Apfelstrudel, dazu Steirer Spaetlese.


Arlberg-Express Paris - Innsbruck, Trisanna 1986



Arlberg-Express Wien - Paris, Salzachschlucht, Jan.1983 (WS)

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In Kitzbuehel umrundet die Bahn den Ort auf der Suche nach dem Bahnhof. Es hatte aufgehoert zu schneien und auf den Übungshaengen wurden die Skifahrer durch die Skilehrer gedrillt, die eine Pause einlegten um den Express vorueberfahren zu sehen. Ein Blizzard wuetete ueber Zell am See und ließ das Wasser gruen und feindlich aussehen statt lieblich, wie Bergseen sein sollten. Die Schmalspur-Tenderlok der Pinzgauer Lokalbahn wartete mit ihrem Zug geduldig auf die Passagiere nach Krimml aus dem Arlberg-Orient, denn zu dieser Stunde hatte das Wetter den Express verzoegert und beim naechsten Stop in Schwarzach-St. Veit war es fast dunkel. Als die Russen einen Teil Österreichs besetzt hielten, mussten amerikanische und britische Staatsbuerger hier umsteigen und ueber Bruck an der Mur nach Wien fahren.

An der Abzweigung in Bischofshofen steht eine 1670 mit dem Zug nach Selzthal. Dann kurvt der Arlberg-Orient-Express nach Norden. Zur Linken glitzern links in der Ferne die Lichter der Hohenfeste Salzburg und des Moenchsbergs, bevor der Zug um den Kapuzinerberg herum in den Bahnhof Salzburg einfaehrt, dessen anderes Ende durch die Deutsche Bundesbahn benuetzt wird. Die Linie nach Muenchen fuehrt geradeaus weiter, aber die oesterreichischen Zuege muessen hier wenden. Unten flutet der Straßenverkehr im Nebel. Die gelbe Tram ist verschwunden , wie auch die elektrische Lokalbahn nach Berchtesgaden, weche sich mit ihr die Gleise teilte. Aber am Lokalbahnhof wartete noch der letzte Abendzug nach St. Gilgen. Er ist bei der Abfahrt vom Arlberg-Orient-Express aus zu sehen. Voll besetzt schien die Salzkammergut-Lokalbahn fuer ein weiteres Jahrzehnt gut zu sein.

Hinter Salzburg bleiben die Berge zurueck. Vor Wels ist Attnang-Puchheim der wichtigste Stop, mit Abzweigung der Normalspur nach Bad Ischl. In Wels muendet die Hauptstrecke von Oostende ueber Passau nach Wien ein. Hier war es fast schon Zeit zum Abendessen. Der Speisewagen war einer von den zehn, die in den Simmering-Werken 1950 gebaut worden sind. Das Menue war etwa das gleiche wie mittags, gut zubereitet und eine solide Grundlage fuer eine kalte Nacht. Belebt durch den Slibowitz schien es an Linz, Melk und St. Poelten schneller vorbei zu gehen. Die schoene Barock-Kirche von Melk war in der Dunkelheit nicht zu sehen, ebenso wenig das Schloss Schoenbrunn, als der Zug dem modernen Westbahnhof von Wien entgegen fuhr. Der Osten schien gegenwaertig in Wien. Der Schaffner fuer den Schlafwagen Paris - Bukarest wartete mit einem schweren Koffer. Er sah wie seine Kollegen aus, trug aber keine Nummer auf der Uniform. Er stieg zu und die zwei Schaffner unterhielten sich, als der Wagen heraus rangiert wurde und auf dem Abfahrtsgleis wieder herein kam. Zwei schwaerzlich gruene Wagen der MAV wurden zusammen mit einem oesterreichischen Postwagen durch die einzige Dampflok im Bahnhof, eine 2C1-Tenderlok der Reihe 77, dem Schlafwagen beigestellt.

Die Reisenden, welche nach Ungarn weiterfuhren, waren an ihren ernsten Gesichtern zu erkennen. Die Leute standen schweigsam in den Korridoren und warteten, bis der Zug um Wien herum zum Suedbahnhof Ostteil ausfuhr, um dort mit vielen Pfiffen und Lampenschwingen rueckwaerts hineinrangiert zu werden. Welch ein Unterschied, wenn am Westbahnhof eine Stunde spaeter der Nachtzug nach Bregenz bereitgestellt wurde. Jedermann war lustig, lachte und scherzte..."


Arlberg-Orient-Express, OeBB 1018.07, Redl-Zipf, Jan.1960 (Ernst Wolf)

Wiener Walzer Basel - Bucuresti, OeBB 52.7596, Wien West 1963 (Ernst Wolf)


Arlberg-Express Paris - Vienna near Hall in Tirol, Christmas 1969 (WS)

Arlberg-Orient-Express Nach Bukarest! Paris-Carlsbad-Express Über den Semmering Rund um Bulgarien Nostalgie Istanbul Orient Express

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