
Nozomi 500 Tokyo - Fukuoka Hakata, Tokyo Central 2005 (WS)
Download this picture with 1500 x 1000 pix, 300 dpi (511 KB)


Nozomi series 700, Tokyo Central 2005 (WS)
Download this picture with 1500 x 1000 pix, 300 dpi (696 KB)

Tokyo, einst Ziel der Transsibirien-Reisenden - das ist heute die Mega-Metropole in dem von 60 Millionen Menschen bewohnten Großraum Tokyo - Nagoya - Kyoto - Osaka, das Gewuerfel der Hochhaeuser, die unueberschaubaren engen niedrigen Wohnviertel, fuer den Touristen eine Bootsfahrt auf dem Sumida-Fluss mitten durch Tokyo, das Wochenend-Gedraenge beim Asakusa-Tempel, die Lichtkaskaden der modischen Ginza, das unglaublich verwobene Netz der Metro-Linien und dann die Central Station: verwirrend die Nord-, Sued- und Osteingaenge, ueberall Sperren, gibt es ueberhaupt Bahnsteigkarten? Doch, wirklich, und es oeffnet sich das Labyrinth der Gaenge, fast eine Stadt unter den Bahnsteigen, Leuchtschilder weisen den Weg zu den Shinkansen-Zuegen, schon vor vierzig Jahren die schnellsten der Welt, Rolltreppen nach oben und da stehen sie - weiß mit blau die Serie 300 und daneben die 700 mit dem kuehn vorgerecktem Entenschnabel, alles 16 Wagen lange Stromliniengebilde, die aeltere Serie 200 in Weiß/gruen der Tohoku Shinkansen nach Norden, nach ein paar Minuten abgeloest durch einfahrende schlanke "Tsubasa" nach Yamagata, gekuppelt mit dem zweistoeckigen "MAX" nach Sendai, wuchtig wie ein Sumo-Ringer, oder die eleganten dunkelblau/rot/weißen "Asama" nach Nagana, durchschnittlich alle zwei Minuten faehrt um jene Nachmittagszeit ein Hochgeschwindigkeitszug ein oder aus, 480 Zugbewegungen am Tag auf Normalspur, dazu noch die unzaehligen Vororttriebzuege auf Kapspur. Auch aeltere Schlafwagenzuege starten gegen Abend auf der schmalen Spurweite, ein halbes Dutzend allein nach Sueden, aber was sind die schon gegen die 120 Nozomi, Hikari und Kodama auf der Tokaido-Linie! Nur Stammkunden wuerden ueberhaupt ihre Bahnsteige finden.... In dem Gedraenge wird eine der vielen Fahrkartenausgaben gesucht, das Personal spricht englisch und - es gibt genuegend Personal, anders als im alten Europa, wo man die Menschen in die Arbeitslosigkeit geschickt hat. Zwei Tickets bitte... Wagennummer, Platznummer, Fensterplatz fuer einen Nozomi "Ultra-fast" nach Kyoto zur gewuenschten Zeit am anderen Tag.
Wieder das Labyrinth der Metro und der Central Station an jenem 15. Februar 2005. Wieder stehen da die 300, die 700 und - am aeußersten Gleis, vor der Hochhaussilhouette, laeuft ein Weltraumgebilde ein, schlank der Bug wie bei einem Überschallflugzeug, der Fuehrerstand aufgesetzt wie das Cockpit eines Duesenjaegers - ein Nozomi der Serie 500 nach Fukuoka Hakata auf der suedlichsten Insel Kyushu. Dann wird "unser" Nozomi 700 bereitgestellt, das Personal wie Marine-Offiziere in Blau uniformiert, die Lokfuehrer mit weißen Handschuhen. Antreten bei der am Bahnsteig angeschriebenen Wagennummer, Eintreten in den Großraum mit den Flugzeugsesseln, alle immer in Fahrtrichtung und trotz der 2+3-Anordnung sehr bequem. Der spaerlichen 1. Klasse ("Green Car") bedarf es garnicht. Die Lautsprecherstimme verkuendet auf Japanisch und dann Englisch: "This is the Super Express bound for Hiroshima".
Auf die Sekunde puenktlich um 12 Uhr 33 setzt sich die 16-Wagen-Schlange in Bewegung, windet sich hinaus aus der Central Station, zwischen den Hochhaeusern und den engen Wohnvierteln hindurch, am Ellok-Betriebswerk der Kapspur vorbei, wird schneller, und nach 15 Minuten gibt es den ersten Halt, Shin Yokohama. Hier fuellt sich der Zug in nur zwei Minuten, denn laenger sind die Halte nicht. Und nun wird er richtig schnell, 270 km/h im Haeusermeer, oft zwischen Laermschutzwaenden, und - da steht ueber den Vorbergen ganz in Weiß majestaetisch die Pyramide des Fujiyama!

Fujiyama (WS)
|

Nozomi 700 (WS)
|
Eine adrette Schaffnerin kontrolliert, selbstverstaendlich mit Verbeugung, eine Stewardess bringt das Buffet-Waegelchen (man kann sich auch am Bahnsteig in guten Laeden versorgen), wie waer's mit einem gruenen Tee und etwas Japanischem? Jedesmal wenn ein weiß/blauer Schatten vorbeischießt ist es Nozomi, Hikari oder Kodama, zusammen ueber 500 km/h, und dabei laeuft die Serie 700 ausgesprochen ruhig. Irgendwo in einer wie ein Blitz durchfahrenen Stationen wird ein "Kodama" Tokyo - Nagoya ueberholt. Staedte zwischen immergruenen Waldbergen, Tunnels, eine dicht befahrene Autobahn, ein endloses Flussbett, lange Bruecken, Wasserflaechen, ein See, Hochspannungsleitungen, die unzaehligen kleinen Wohnhaeuschen, die hohen Netze der Sportplaetze, Fabriken, Soni, Panasonic, eine Menge bekannter Namen, so wird Japan durchrast.
Nach einer und einer viertel Stunde bremst der Zug zum erstenmal wieder, eine riesige Stadt breitet sich aus, ein Wolkenkratzer am Bahnhof - Nagoya. Exakt 2 Minuten Halt, dann geht es weiter. Über dunklen Waldbergen erheben sich verschneite weiße Gipfel. Nach Tunnels taucht der Zug in ein Haeusermeer ein. "Kyoto the next stop" wird angesagt. Aussteigen puenktlich um 14 Uhr 52, das sind 2 Stunden 19 Minuten fuer 514 Kilometer, oder 222 km/h Durchschnitt einschließlich zweier Zwischenhalte. Das war die Region der 60 Millionen Einwohner im Zeitraffer...
Nach 2 Minuten rast der "Ultra high-speed train Nozomi" weiter nach Osaka, nach Sueden. Wir aber verlassen den nicht weniger "ultra"-modernen Bahnhofskomplex des avantgardistischen Architekten Hiroshi Hara und sehen uns in den naechsten Tagen die alte Kaiserstadt an, Gaerten, Tempel, Pagoden und friedlich laechelnde Buddhas...

Kyoto, Toji Temple (WS)
Download this picture with 1500 x 1000 pix, 300 dpi (492 KB)

© 2007, Germany