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B l u e   T r a i n



Blue Train Cape Town - Pretoria, Towsrivier 2004 (WS)


Blue Train diner 1976 (WS)


Johannesburg, 23. August 1976. Auf einem der Bahnsteige in dem niedrigen Geschoß warten mehrere gut gekleidete Damen und Herren, stehen Gepaecktraeger mit echten Lederkoffern und sind gerade einige amerikanische Straßenkreuzer und Mercedes vorgefahren, einer mit schwarzem Chauffeur in Uniform. Um 11 Uhr 15 laeuft hinter zwei blauen Ellok 6E1 aus Richtung Pretoria ein endlos scheinender Zug ein, hinter dessen goldgetoenten Scheiben in den glatten blauen Außenwaenden Schlafabteile sichtbar werden, groeßere Appartments, dann, es ist der Speisewagen, eine lange Reihe weiß bejackter Kellner, zur Parade aufgestellt, danach die Bar, dann wieder Schlafwagen, alle durch elastische Verkleidungen lueckenlos verbunden, was dem ganzen Zug das Aussehen einer Schlange gibt, die sich langsam durch die Kurve in den Bahnhof windet. Geleitet durch den Schaffner gelangt der Reisende in das Vestibuel eines Wagens, dessen Nummer auf dem blauen Ticket steht, schreitet durch einen teppichbelegten Seitengang, der sich in gerader Richtung ohne Zwischentueren durch viele Wagen hindurchzieht (es gibt hier nicht die zugigen Übergaenge und das Tuer-auf-Tuer-zu wie in Europas Zuegen) und kommt in sein Abteil, in dem Fall ein Einbett-Coupe mit furnierten Holzwaenden, tuerkisfarbenem Sofa, einem Kleiderschrank, Waschbecken, auch mit Hahn fuer geeistes Trinkwasser, dazu die vielen Schalter fuer alle moeglichen Beleuchtungen, fuer Musik und um den Kellner zu rufen und, nicht zu vergessen, das Fach, in das man am Abend seine Schuhe hinein stellt und aus dem man sie am anderen Morgen geputzt wieder heraus nimmt. Und das ganze ist ein richtiger Raum, nicht wie die schachtartigen europaeischen Schlafcoupes unter ihren mittelalterlichen Deckengewoelben.

Der gerne zitierte Satz "der Zug steht still, der Bahnsteig faehrt" - hier stimmt er, der Blue Train hat sich so sanft in Bewegung gesetzt, dass man es zuerst gar nicht merkt. 11 Uhr 30. Abstellgleise, Krugersdorp, Abraumhalden, ein Dampflokdepot... Der Kellner kommt durch den Wagen: 1st oder 2nd sitting... dann das Glockenspiel im Lautsprecher, die Leute gehen in den Speisewagen, aeltere Herrschaften, viele Amerikaner, auch juengere. Leicht huegelige Landschaft, gelbes Gras, kleine durchfahrende Stationen, aermliche Wellblechbaracken (Kinder winken...), dann das Lunch, aufmerksame Kellner, welche den Stuhl beiseite ziehen und einem die Serviette auflegen, korrektes Silberbesteck, weißes Porzellan mit Goldrand, Menu mit sieben Gaengen. "Wir haben nichts dergleichen in planmaeßigen europaeischen Expresszuegen", sage ich zum Gegenueber. "Neither we have in America", antwortet er, der "Santa Fe de Luxe koenne einmal so gewesen sein", antwortet er. Draußen ist Praerie. Den Traum der Jugend, einmal im Luxuszug durch sie zu fahren, hier ist er verwirklicht. Die wahrhaft großen Zuege der Erde fuhren fast stets durch Praerien, Steppen oder Wuesten, Australien, Nevada, Argentinien, Suedafrika. Landschaften so monoton wie der Ozean, Zuege mit dem Komfort fast wie Ozeandampfer. Klerksdorp: eine Kondenslok, class 25, Straßen- und Telegrafenleitungen, die sich in der Ferne verlieren. Nachmittag. Im Lounge Car sitzt ein aelteres Ehepaar aus der Bulawayo-Johannesburg Mail. Die Sonne kommt nun ganz schraeg, der Zug wirft braune Schatten auf das braune Gras. Messerscharf schneidet der Horizont gegen Westen ab.

Weit hinter Kimberley, es ist schnell dunkel geworden, ertoent das Glockenspiel zum Dinner, 2nd sitting. Jetzt traegt der Maitre d'hotel Stresemann. Das ist das Menu:

Shrimp and martjie cocktail
Vegatable cream soup
Fried baby sole with remoulade sauce
Lamb outlet Reforme
Asparagus with mayonnaise and cream princesse
Roast stuffed turkey with salad
Sirloin of beef with tomatoes and potatoes portugaise
Assorted vegetables
Date pudding with custard
Vanilla ice-cream and raspberry sauce
Cheese and biscuits
Coffe
Fruit

Noch etwas Truthahn? Noch etwas vom vorherigen Gang? Hier sind die Braeuche nicht streng, jeder kann sein Menu nach seinem Geschmack abrunden. Ob er viele große Kimberley-Diamanten gesehen hat, fragt den Maitre eine Dame. "Nein, in Kimberley sah ich nur das `Big Hole`." Gerne rueckt er eine Speisekarte als Souvenir heraus. "Dann kann der Service ja nicht so schlecht gewesen sein, wenn Sie die haben wollen", meint er.

Spaet am Abend sitzen die Tischgenossen, ein in Johannesburg arbeitender Amerikaner, zwei Suedafrikaner und der Deutsche, im Lounge Car beisammen. "Sie koennen hier bleiben, solange Sie wollen", versichert gegen Mitternacht der freundliche Barkellner. "Nur bitte bestellen Sie jetzt alles, weil ich schlafengehen muss. Ich habe zum Fruehstueck wieder Dienst."

Im Abteil laesst ein Knopfdruck die Jalousie zwischen den Fensterscheiben hochgleiten. Draußen ist der Sternenhimmel der Karoo.

Sieben Uhr morgens. Vor dem Fenster sind Berge. Drei Graeber in der Steppe. Schwarze, die auf einen Zug warten. Dann der Early Morning Tea, in einer Silberkanne ans Bett gebracht.

Touwsrivier. Von hier aus taucht der Zug in ein Felstal ein, tastet sich an dessen linker Seite ueber steinige Haenge abwaerts - die Morgensonne bescheint die hohen Gipfel gegenueber, sie haben Schnee, draußen sitzen Gleisarbeiter um ein Feuer herum, es muss kalt sein - windet sich in Kurven in einer vollen 180 Grad-Drehung tiefer, so dass unten die vorderen Wagen mit den drei Elloks entgegen kommen (der Wechsel in Beaufort West von zwei General Electric-Diesel auf jene "5E1" war natuerlich verschlafen worden), streckt und reckt sich wieder, biegt abermals in eine Kehre... Glockenspiel zum Fruehstueck. Worcester. 8 Uhr 52. Der Kellner, der gleiche wie beim Dinner, er spricht perfekt deutsch, serviert Grapefruitsaft, geschmorte Backpflaumen, Porridge oder Cornflakes, Schellfisch, Hammelnieren auf Toast, gegrillte Schweinswuerstchen mit Kartoffelbrei und gebratenem Speck, Eier, Tee oder Kaffee, Marmelade und Honig. Der Amerikaner vom Tag zuvor bringt diesmal seine Frau mit, sie ist Japanerin. Ein Suedafrikaner erzaehlt von seiner Arbeit, und von der Pressezensur, damals zur Apartheid-Zeit.

Huguenot heißt eines der Stationsschilder, an denen der Zug vorbei faehrt. Normale Sterbliche warten draußen auf normale Zuege. Paarl. Vor den breiten Fenstern des Lounge Car erstreckt sich ein gruenes Tal. Weingaerten saeumen die Strecke, und Wellblechhuetten der Schwarzen. Dann bleiben die hohen Berge zurueck.

Der Bordingenieur des Blue Train gibt Gelegenheit zur Besichtigung aller Wagen. Er hat sein Abteil in der Naehe der Rolls Royce-Diesel, welche der Stromversorgung dienen. Ob ihn der Laerm nicht stoert? "Nein, er ist Musik fuer mich. Wenn er aussetzte, wuerde ich sofort aufwachen." Aber er setzte nie aus. Es sind zwei Motoren vorhanden, um Pannen unmoeglich zu machen, so wie auch zwei Lokomotiven auf denjenigen Streckenabschnitten fahren, auf denen eine genuegen wuerde, und drei, wo zwei notwendig sind. Und dann fuehrt er den Fremden in die teuerste Klasse, die Suite, die aus einem Schlafzimmer besteht mit zwei Betten nebeneinander wie im Hotel, einem Wohnzimmer, auf dessen Esstisch Fruehstueck, Lunch und Dinner serviert werden, und einem richtigen Bad. "Fuenf Jahre lang sind die Konstrukteure taetig gewesen mit dem Ziel, den besten Zug der Welt zu schaffen", sagt der Ingenieur mit Stolz, "und noch niemand konnte uns einen besseren nennen".

Kaapstad. Cape Town. Die Reise ist zu Ende. Zu Fuß am Bahnsteig geht es nochmals die blauen Wagen entlang. Einen Tag spaeter: Paarden Island Loco Shed, das Dampflokdepot (damals!). Eine 8B und eine 7th class, als Denkmaeler hergerichtet, bewachen den Eingang. S2, 14CRB, 15BR, 15F, 19C und 24 stehen vor dem Schuppen, einige auch darinnen und dazu eine 25NC, gewaltig, erschreckend... Auf der nahen Hauptstrecke, einer anderen als bei Ankunft, faehrt der Blue Train nordwaerts. Beim Niederschreiben kommt jene preußische Prinzessin in den Sinn, welche bei einem Zeitungsinterview, befragt nach ihren Wuenschen, nicht etwa Palaeste oder Diamanten nannte, sondern eine Fahrt mit dem Blue Train. Oder die achtzigjaehrige Dame, die jedes Jahr mit dem Blue Train nach Kapstadt reiste und die dem Herausgeber von La Vie du Rail, Paul Delacroix, auf die Frage, wie sie diesen Zug im Vergleich zu anderen empfinde, entruestet antwortete: "Junger Mann, ich kenne keinen anderen."


Cape Town (WS)


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