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W i e d e r s e h e n ...



Trans Karoo Cape Town - Pretoria, Hermon 2004 (WS)



Dave Wardale's "Red Devil", Paarl 2004 (WS)


Afrika, Wiedersehen nach 28 Jahren. Damals, das waren Bahnfahrten im Sudan, in Kenya, zu den Victoria Falls und mit dem Blue Train zum Kap, und das fuellte ein Buch: Kap - Kairo. Nun, fast eine Generation spaeter, ging die erste Fahrt auf dem Kapspurnetz mit dem elektrischen Vorortzug von Stellenbosch nach Kapstadt, billigste Klasse, Laengsbaenke. Weiße fahren nicht damit. Getrauen sich nicht. Eine natuerliche Freundlichkeit aber herrscht hier. Es ist ein Erlebnis...

Einige Tage spaeter, mit dem VW vom Kap nordwaerts unterwegs, verfuhren wir uns in Paarl, waren aus Versehen auf einer Strasse nach einer schwarzen Township und da, es konnte nicht wahr sein (die Zeit der Dampflok, der herrlichen Niagaras, war doch laengst vorbei), da standen hinter der Bahnstrecke eine solche class 25 in Gruen, eine in Schwarz und, konnte das wirklich sein - eine in Rot, in Rot? Der Red Devil? Die modernste Dampflok der Welt, nach der Physik von Andre Chapelon, weitergegeben an den Argentinier L.D. Porta und ausgefuehrt durch Umbau einer 25NC vom Englaender Dave Wardale fuer diesen letzten Versuch der Dampfloktechnik. Dieser Prototyp class 26 war eingesetzt 1981-82 zwischen Kimberley und De Aar und holte mit dem Trans Karoo gleich 20 Minuten gegenueber der Diesel-Fahrzeit heraus! Steht dieses Wunder wirklich hier in Paarl? Der Stationsvorsteher (ein echter Bure) sagt ja, und man darf rein, zwischen Kohlenzuegen hindurch, durch schwarze Pfuetzen, ueber Gleise und der Eisenbahner am Eingang zum Transnet Steam Depot Daljosafat wuenscht "welcome", man soll nur rumgehen soviel man will, "enjoy yourself", vergnuegen soll man sich. Welch ein Vergnuegen! Die gruene "Pauline" sehen, eine rostige 25 zur NC umgebaut, unendlich lang mit dem ehemaligen Kondenstender, eine schwarze 25NC 3417, die 16D "Big Bertha" von Baldwin, einige kleinraedrige Mountains 19D, eine 16DA mit "broad box", verrostet, eine 23, eine 15E und eine 19D betriebsfaehig (morgen um sieben wird die 19D rausfahren), die 16DA 879, eine Pacific von Henschel, blau gestrichen, und daneben wirklich die 26, der Red Devil. Leider nicht betriebsfertig, aber leibhaftig, zum Anfassen. Oder, wer haette so etwas ertraeumt, zum Hinaufsteigen auf den Fuehrerstand, im Heizersitz Platz nehmen auf der modernsten Dampflok der Welt - - auf dem "roten Teufel".

Am Indischen Ozean, an der beruehmten Garden Route, soll es fuer "normale" Touristen noch dampfen. In Knysna, an einer beschaulichen Lagune, faehrt um zehn Uhr taeglich ein Personenzug nach George ab und - da kraeuselt tatsaechlich ein Rauchwoelkchen. Da ist sie, eine 19D, die Nummer 2749 der Transnet Heritage Foundation. Ein taeglicher Dampfzug, wo gibt es das noch in Europa? Majestaetisch faehrt er auf der Bruecke und dem viele Kilometer langen Damm ueber die Lagune und die Rauchwolke verschwindet vor dem subtropischen Bergwald in Richtung Wilderness...

Am Rande der Karoo ist uns Matjiesfontein empfohlen worden, alles sei dort viktorianisch. Ein plueschiges Hotel, Postamt, Apotheke, Tankstelle aus der Gruenderzeit, aus dem Grammophon des Cafes klingt Puccini, auf dem Kies des Hauptplatzes steht ein roter Londoner Doppelstockbus, ein schwarzer Diener in schwarzem Cut mit schwarzer Melone empfaengt die Reisenden und - heute komme der Blue Train. Ein Zufall, denn der faehrt nur zweimal in der Woche. Aber noch mehr: Danach soll der Rovos Train kommen, der Sonderzug - ein nicht erwartetes Ereignis! Zuerst hinaus in die Karoo. Eine halbe Stunde vor der Zeit rollt der Blue Train vorbei, zwei blaue Ellok E1950 und E1952, eine dunkelblaue Schlange von 19 Wagen in Hi-Tec, unwirklich zwischen den Felsen und der Ödnis der Steppe... Im Bahnhof dann ein Wiedersehen mit den Suiten und Lounges hinter den dunkel spiegelnden Scheiben, ein Wiedersehen mit dem renovierten "besten Zug der Welt". Kaum ist er draußen, kommt schon der Rovos herein, die orangefarbenen E1186 und 1168, neunzehn historische Wagen in Dunkelgruen und Creme, Typen vom Ende der dreißiger Jahre, der aelteste aber ein Speisewagen von 1911, am Schluss eine (improvisierte) offene Aussichtsplattform, dazwischen Lounges und exklusiv Suiten, "the most luxurious train of the world". Zwei große Expresszuege, "so great" wie Europa sie nie kannte, in dem kleinen viktorianischen Bahnhof am Rande der Karoo... Einer ruhigen Nacht nach einem noblen Dinner im Hotel Lord Milner steht nun nichts mehr im Wege.

Der Rovos Train ist auf den Spuren von "Cape-to-Cairo" schon bis Dar es Salaam in Tanzania vorgedrungen. Einmal im Jahr faehrt er nach Windhoek und Swakopmund in Namibia. Sonst war dort der einzige Besuch eines de-Luxe die Fahrt des suedafrikanischen Regierungszuges White Train im Jahr 1953 mit dem Generalgouverneur. 1998 kam außerdem einmal der alte Union Limited auf einer Sonderfahrt hier an. Der planmaeßige Suidwester von Pretoria und Kapstadt nach Windhoek auf der Strecke ueber Upington ist gegen Ende der achtziger Jahre eingestellt worden. In der ersten Station nach der Grenze, Ariamsvlei, steht in jenen Februartagen 2004 als einziger "Reisezugwagen" ein Gefaengniswagen - vielleicht fuer illegale Immigranten. Das Leben spielt sich auf der Straße ab: Bei der Fahrt mit dem 4x4 ist uns der zweistoeckige Neoplan-Bus der InterCape Windhoek - Kapstadt begegnet und spaeter in Windhoek eine Kolonne von vier Reisebussen der schwedischen Pink Caravan auf der Fahrt von Kenya (!) zum Kap. Kein Reisezug faehrt auf der einstigen Linie nach dem alten deutschen Hafen Luederitz, nur ein Gueterzug der staatlichen TransNamib ist zu sehen, mit zwei General Electric (die chinesischen Diesel sind noch nicht da). Hinter Aus haben Sandduenen die Strecke voellig unterbrochen. Der Bahnhof Luederitz ist leer, nur ein alter suedafrikanischer Reisezugwagen ist abgestellt, mehr Zuspruch findet das (so woertlich) "Bahnhof Gambling House". Am anderen Tag, in der Geisterstadt Kolmanskuppe, dem vom Sand zugewehten einstigen deutschen Diamantenzentrum, stehen noch schmalspurige Bergbauwagen ausgestellt. Weder Zug noch Bus faehrt von da nach der Hauptstadt Windhoek, aber die Bahn nach Luederitz wird wieder hergerichtet, fuer Zinnerztransporte von Rosh Pinah, die vorerst noch nach Suedafrika, vermutlich Saldanha, gehen. Man hofft auch auf einen Schienenbus Luederitz - Kolmanskuppe.

In der Hauptstadt Windhoek beherbergt der alte Bahnhof ein Museum, es sind die schmalspurige halbe back-to-back-twin 154 von 1903/04, ein Gueterwagen der einstigen deutschen DSWAE und eine General Electric class 32 der South African Railways (die hier den Betrieb fuehrte) ausgestellt. Reisezugwagen, noch in deren braun/ beigefarbenem Anstrich, sind zu sehen und neuere der TransNamib in Hellblau mit Vierbettabteilen, gebaut bei Union Carriage. Die Werbung verkuendet fuer den StarLine SleeperCoach Windhoek - Keetmanshoop: "Book your place in a sleeper compartment for the price of a business class seat".

Es gibt einen noch viel komfortableren Zug: "Der Desert Express hat nur 24 klimatisierte Abteile. Nachts verwandeln sich die Sitze in komfortable Betten. Die Schlafabteile sind fuer eine, zwei oder drei Personen eingerichtet", verkuendet der Prospekt. "Jedes bietet en-suite facilities... Abende im Welwitschia Restaurant sind etwas ganz Besonderes, dreigaengige Menues moegen Wild enthalten, wie Antilope oder Strauß...". An jenem 4. Maerz kommt der Desert Express, der Wuesten-Zug aus Swakopmund, hinter der hellblauen General Electric 468 herein, neun Wagen in Hellgrau mit Ocker und Dunkelblau, avantgardistisch die sechseckigen dunklen Fenster, alles 1998 in Namibia gebaut oder umgebaut. Nicht einmal zwanzig Leute steigen aus, aber eine nette schwarze Stewardess sagt, dass der Zug auf der Hinfahrt voll gewesen sei (die Touristengruppe flog weiter) und sie zeigt die komfortablen sandfarbenen Abteile, den Speisewagen, die Bierbar und den Konferenzwagen "Starview" mit Glasflaechen im Dach zur Beobachtung des Sternenhimmels mit dem Kreuz des Suedens...


Rovos train Cape Town - Pretoria, Matjiesfontein, Feb. 2004 (WS)



Station Grasplatz, Namibia 2004 (WS)



Namibia (WS)


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