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   Orient-Express adieu...


O r i e n t - E x p r e s s   a d i e u

Ein zitternder Lichtkegel, brüllende Sicherheitsventile, der geduckte, etwas zurückgesetzte Schornstein, dann wirbelnde Massen, darüber Hephaistos im Feuerschein, dann die jagenden Wagen - ex-kaiserlich-österreichische, eidgenössisch-schweizerische, französische, ungarische oder rumänische, in Dampf gehüllt... das war der Arlberg-Orient-Express wenn er auf Österreichs Westbahn mit einer 214 dem Osten zuraste...


OeBB 12 ex-214, Wienerwald (Franz Kraus)


Den Predeal-Pass in Rumänien erstürmte die 142, Typ der österreichischen 214, oft in Dreifachtraktion, Reihe 151 und 150 als Vorspann vor 142 und manchmal eine zusätzliche 150 zum nachschieben. Arnold Müll hatte das unsterblich gemacht: ..."Das langsame Einsetzen eines donnernd-sonoren Fauchens verriet den Anfang des Berglandes der Siebenbürgischen Hochsteppe. Und hier erlebte man, was dieser Gigant zu leisten vermag. Wie ein schwarzer `Scheuklappenhengst` warf sich der trotz allem so leichtfüßige Riese mit einem wütenden Blasen und Schnauben in die nächste Kurvenrampe und rannte und überrannte eine Steilstrecke nach der anderen. Ein unerhörtes Arbeiten der auf Hochleistung eingestellten Ölbrenner und Zylinderfüllungen - und der Riesenkessel gab Dampf, Dampf und nochmals Dampf. Es war ein erregendes Schauspiel, wie diese 1D2 mit der Nummer 142 006 der CFR in brüllendem Getöse wahre Berge von Auspuffwolken in diese seltsame Landschaft schleuderte und dabei in eilender Fahrt einen Hügel nach dem anderen hinter sich ließ. Zuweilen verschwand die Maschine völlig in drei hinausgeworfenen Wolkenbergen. Der eine sauste im hohlbrüllenden Fauchen senkrecht in den wolkenlosen Morgenhimmel, die beiden anderen fegten in 5- bis 10-Minuten-Abständen, rechts und links, 2,50 m hoch über dem Triebwerk und weg vom Kessel, weithin waagrecht über Schiene und Bahndamm, hinaus in eine haus- und baumlose Urlandschaft, in der sich eine Grasbergkette nach der anderen bis hin zum welligblauen Horizont verlor"...


Orient-Express, CFR 142, Karpathen, Zeichnung Arnold Muell

Am Parnass im Athener Simplon-Orient, nachts, da scheint es, als ob die Eisenbahn den gewohnten Bezug auf die Horizontale verlassen habe, als ob sie ihn um neunzig Grad gedreht hätte, sodass sich alle Bewegungen im Auf und Ab entlang senkrechter Wände abspielen, über Abgründen, die ins Unendliche führen. Auf einer Ausweichstelle in der Ostwand des Gebirgsmassivs begegnen sich die Expresszüge nicht nebeneinander, sondern beinahe übereinander: Während der nordwärts fahrende Zug auf einem bergseitig abzweigenden Gleis zum Stehen gekommen ist, dröhnt von unten der Gegenzug herauf. Einen Moment lang fällt der Blick auf die Kesselaufbauten einer Mi-alpha, dann auf die Dächer und einzelne beleuchtete Fenster von französischen, belgischen und deutschen Wagen, bevor die eigene Maschine den Zug nach Paris wieder rückwärts aus dem Ausweichgleis hinausschiebt... Das war 1961, im letzten Jahr des Simplon-Orient-Express.


CEH Mi-alpha (WS)


Erinnerungen sind alle die Reisen in den Orientzügen. Erinnerung die Nachtfahrten im beißenden Rauch der Mi-alpha, der italienisch-griechischen Lokomotivschönheit, eine der größten Dampflokomotiven Europas, wenn sie ihren pechschwarzen Ölqualm mit ungeheurer Wucht wie einen Vulkanausbruch senkrecht nach oben schleuderte... Erinnerung die Hochzeitsreise vor Jahrzehnten zwischen Parnass und Olymp: Der Nachthimmel hat einen Stich ins Rotviolette. Große Oper. Schwarz heben sich die Silhouetten der Pinien und Zypressen ab, schwarz auch die bizarren Wolken am Horizont mit Rändern aus Blauviolett, außen von einem gelben Schimmer umgeben. Der untergehende Mond, groß und gelb, spiegelt sich im Gleis hinter dem letzten Wagen. Am Zenith weiße Sterne, eine Linie: eine Sternschnuppe. Flackern. Ein Meteorit? Eine Supernova?



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